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Kleinstkredite für Kreative 2009Im November 2009 haben Ursula und Wolfgang Kroll ihren Sri Lanka Urlaub genutzt, um sich selbst einen Eindruck der Arbeit des Sri Lanka Vereins Hamburg, den sie seit vielen Jahren aktiv als Mitglieder unterstützen, zu verschaffen. Bitte lesen Sie ihren eindrucksvollen Bericht: Monaragalla liegt im Südosten Sri Lankas, dort wo sich die Wohngebiete von Singhalesen, Tamilen und Moslems vermischen. In der Stadt selbst leben 60.000 Menschen und im Umland etwa 400.000. Es gibt in dieser Region keinerlei Tourismus. Der Bezirk gehört zu den drei ärmsten in Sri Lanka. Ein Grund dafür sind sicher die schwierigen klimatischen Verhältnisse. Perioden mit extremer Hitze und Trockenheit wechseln sich praktisch übergangslos mit tropischem Dauerregen ab. Ein anderer Grund ist, dass sowohl die schulische als auch die berufliche Qualifizierung der Bevölkerung weitgehend unter dem Landesdurchschnitt liegt. Auch bei der Bereitschaft, Bildungsangebote zu nutzen oder durch einen Ortswechsel bessere Arbeitsmöglichkeiten zu erhalten, ist „noch viel Luft nach oben“. Die Arbeitslosenquote ist unvorstellbar groß. Für Frauen ist es schon beinahe sinnlos, sich überhaupt zu bewerben. Ein Minikredit ist oft die einzige Chance, um aus eigener Kraft und auf Dauer den Sprung aus der Armut zu schaffen. Die ersten Darlehn des Sri Lanka Vereins wurden in dieser Region bereits im Jahr 2008 zugeteilt und sind in der Zwischenzeit zurück gezahlt. Viele Bewerber stehen aber noch auf der Warteliste und hoffen auf eine für sie gute Entscheidung. Am 08. und 09. November 2009 konnten wir uns vor Ort über den Verlauf des Projektes informieren. Probleme mit der Verständigung gab es nicht, weil unser Betreuer Ranil sowohl Singhalesich, als auch Tamil und Englisch spricht. Ranil ist seit mehreren Monaten der verlängerte Arm unseres Vereins. Er führte uns zu 12 Familien, die jeweils ihre eigene Geschichte zu erzählen hatten. Interessierte können diese auf den nächsten Seiten nachlesen. Überraschend war für uns zunächst der Einfallsreichtum der Menschen. Keine Geschäftsidee war doppelt. Es besteht also offensichtlich ein erheblicher Bedarf an den unterschiedlichsten Dienstleistungen oder Produkten. Diesen Bedarf zu decken, ist für viele die Chance auf eine erfolgreiche Erwerbstätigkeit. Genau an dieser Stelle beginnt die Arbeit von Ranil. Er berät alle Interessenten bei der Entscheidung für eine Geschäftsidee. Danach hilft er bei der Auswahl und Durchführung der fachlichen und betriebswirtschaftlichen Schulungen und bespricht die Einzelheiten des Kreditvertrages (Höhe, Verwendung, Verzinsung, Rückzahlung). Auch danach betreut er alle Kreditnehmerinnen und hilft diesen in jeder nur erdenklichen Art und Weise, insbesondere dann, wenn unvorhersehbare Probleme eintreten. Sein „Job“ endet erst, wenn das Geschäft richtig läuft und der Kredit vollständig zurück gezahlt ist. Ranil selbst ist fest davon überzeugt, dass unser Projekt die ideale Hilfe zur Selbsthilfe ist.
Wir schließen uns seinen Argumenten gerne an. Dhammika züchtet PflanzenEin Häuschen mit Garten am Rande von Monaragalla. Auf der einen Seite ein idyllisches Bächlein, auf der anderen die Straße. Dazu eine nette Familie mit zwei Kindern und dem Mann als Verdiener. Eigentlich hätte es Dhammika wirklich gut gehen können. Nur leider reichte das Einkommen des Mannes nicht einmal für das Nötigste. Dhammika suchte daher dringend nach einer zusätzlichen Einnahmequelle. Das war lange Zeit ein ziemlich aussichtsloses Vorhaben – bis sie eines Tages Ranil traf. Er wusste, dass es in der Region einen Mangel an bestimmten, hochwertigen Nutzpflanzen gibt. So entstand spontan die Idee vom Aufbau einer Pflanzenzucht. Ein Grundstück mit fruchtbarem Boden und mit Wasseranschluss war schließlich schon vorhanden. Die erforderlichen Fachkenntnisse und ein betriebswirtschaftliches Grundwissen könnten in speziellen Kursen erlernt werden und das Geld für den Kauf der ersten Mutterpflanzen und des Arbeitsmaterials würde der Sri Lanka Verein durch einen Kleinstkredit bereit stellen. Anfang 2009 waren alle Bedingungen für den Projektstart erfüllt und Dhammika erhielt einen Kredit über 15.000 Rs (ca. 90 €). Sie kaufte für dieses Geld hochwertige Mango- und Limonengewächse als Mutterpflanzen. Damit veredelte sie andere, minderwertige Stecklinge. Nach einigen Monaten konnte Dhammika die kräftigen und gesunden Jungpflanzen im Vorgarten zur Schau stellen. Viele Passanten waren von der Qualität der Ware so begeistert, dass sie alles über das Geheimnis der Züchtung wissen wollten. Weil es das nicht gibt, verkauft ihnen Dhammika die Pflanzen nun für 150 Rs (ca. 0,90 €) pro Stück. Dadurch verdient sie jetzt mehr als ihr Ehemann und zahlt obendrein problemlos das Darlehn zurück. In vier Monaten ist sie schuldenfrei. Deshalb denkt sie schon jetzt darüber nach, wie sie in Zukunft noch erfolgreicher wirtschaften kann:
Tragetaschen für den Markt von MonaragallaDer Markt im Zentrum von Monaragalla ist Herz, Auge, Ohr und Nachrichtenbörse der gesamten Region. Malani wohnt genau dort und kennt die großen und die kleinen Sorgen der Leute. Zu den kleinen gehören die oft originellen Versuche, den Einkauf ohne teuren Korb und nur im Zeitungspapier nach Hause zu befördern. Wenn es hier eine preiswerte Lösung gäbe, würde man den Leuten helfen und könnte obendrein damit noch Geld verdienen. Malani hatte dazu eine Idee, die sie unbedingt ausprobieren wollte. Sie kaufte eine Rolle mit sehr kräftigen Plastikbahnen, Farben und Garn sowie Material für die Griffe. Daraus nähte sie große und stabile Einkaufstüten. Die Materialkosten betrugen pro Stück 20 Rs (ca. 0,12 €), den Verkaufspreis kalkulierte sie mit 30 Rs. Es schien von Anfang an so, als hätten alle nur auf dieses Produkt gewartet. Malani versuchte gemeinsam mit ihrer Tochter, die Nachfrage zu Wenn die Produktion richtig liefe, könnten pro Woche ca. 600 Tüten an die Marktbetreiber und -besucher verkauft werden und gleichzeitig würden sich die Materialkosten etwa halbieren lassen. Eine leistungsstarke Nähmaschine kostet aber 15.000 bis 20.000 Rs, also 100 € oder mehr. Das Geld hat Malani nicht, aber sie hat ständig ihre Augen und Ohren auf dem Markt. Dort hat sich von den Kleinstkrediten gehört und sofort einen Antrag gestellt. Ob er bewilligt wird, entscheiden allein unsere Partner vor Ort, sobald sie alles eingehend geprüft haben. Übrigens: Wir haben auf dem Markt schon jetzt mehrere prall gefüllte Tüten der Marke „Malani“ gesehen. Die Geschichte muss wohl stimmen. Gegen den kleinen Hunger zwischendurchWenn wir jetzt etwas über die „Bonds“ berichten, dann denken sie bitte nicht an die Familie des berühmten James, sondern an Premawathy, die Bäckerin. Sie produziert die Bonds nämlich jeden Tag und das in großer Menge. Diese Bonds sind kleine, süße Snacks, die in Sri Lanka immer und überall sehr beliebt und begehrt sind. Das Ausgangsmaterial dafür ist trockenes Weißbrot. Es ähnelt ein bisschen unserem Toast. Premawathy kauft es auf dem Markt. Zu Hause schneidet sie daraus kleine Häppchen und belegt diese mit so ziemlich allem, was süß und lecker schmeckt. Danach kommt alles für ein paar Minuten in den Ofen. Die Bonds sind fertig, wenn sie knackig sind und die richtige Färbung haben. Obwohl die Bäckerei nicht gerade verkehrsgünstig liegt, kommen viele Leute aus der Umgebung zum Kaufen. Es gibt hier also regelrecht eine Fangemeinde, die gern und oft die Bonds vernascht. Eine zweite Gelegenheit zum Verkauf bietet sich auf den Märkten in den etwas weiter entfernten und urwaldähnlichen Waldgebieten. Das ist dann eine Aufgabe für Premawathys Mann. Den Kleinstkredit benötigte Premawathy für den Kauf des Rohmaterials und für die Anschaffung von Backblechen. Jetzt läuft das Geschäft so gut, dass sie und Ihr Mann ständig überlegen, wie sie sowohl die Produktion als auch den Verkauf weiter ausbauen können. Grundsätzlich ist der Sri Lanka Verein bereit, eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung durch einen zweiten Kleinstkredit zu belohnen und abzusichern. Einen besseren Beweis für den Sinn des Verfahrens kann es schließlich kaum geben. Einen großen Wunsch der Familie werden wir aber leider nicht erfüllen können. Für die Anschaffung eines Transportfahrzeugs wird ein Darlehn über ca. 500 € benötigt. Das ist sicher eine sehr sinnvolle Investition zur Steigerung des Umsatzes und des Gewinns. Es ist aber nicht mit unseren Richtlinien für die Zuteilung von Kleinstkrediten vereinbar. Wir möchten einen Betrag in dieser Größenordnung lieber einsetzen, um weiteren 4 bis 5 Familie den Start in eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Picknick für Pilger und PassantenWohl jeder von uns hat schon einmal eine Karriere bewundert, bei der ein Tellerwäscher zum Millionär aufsteigt. Aber welche Möglichkeiten hat ein alter, maroder Lkw-Aufleger, wenn sein fahrbarer Untersatz auf dem Schrottplatz landet? Nun, in Sri Lanka kann er zu einem begehrten und lebendigen Verkaufskiosk werden. Das klappt aber nur, wenn man sich einer Managerin wie Nandawathi anvertraut und außerdem einen Kleinstkredit vom Sri Lanka Verein erhält. Jedenfalls hat das in diesem Fall so funktioniert Der restliche Teil der Vorgeschichte ist dagegen genau so einfach wie bei fast allen anderen Kreditnehmerinnen auch. Nandawathis Mann ist Maler. Sein Einkommen reicht für die fünfköpfige Familie bei weitem nicht aus. Trotz endloser Bemühungen findet Nandawathi keinen Job. Damit es wenigstens die Kinder später einmal besser haben, finanziert sie diesen zusätzliche Bildungsmaßnahmen. Sie ahnte nicht, das diese Entscheidung ihr Leben verändern sollte. Denn irgendwann berichtete eine Tochter darüber, dass die Mutter einer Klassenkameradin jetzt ihr eigenes Geld verdient. Sie hatte ein kleines Darlehn erhalten und konnte eine selbständige Tätigkeit starten. Das wollte Nandawathi ebenfalls versuchen und so entstand die Idee mit dem Kiosk. Ein idealer Standort war schnell gefunden. Nicht weit von von ihrer Wohnung liegt die verkehrsreiche Einfallstraße nach Monaragalla. Von dieser zweigt ein kleiner Weg zum Tempel ab. Wenn sie nun genau an dieser Gabelung ein Kiosk einrichten und die passenden Waren anbieten würde, könnte sie eine Menge Laufkundschaft erreichen. Als Kiosk wurde der Lkw-Aufleger in Eigenarbeit hergerichtet. Aus alten Brettern entstanden ein ausklappbarer Tresen, eine Tür und eine Dachabdeckung. Die 10.000 Rs (ca. 70 €) des Sri Lanka Vereins reichten für die Erstausstattung mit Obst, Getränken, Snacks und ein paar Souvenirs. Durch die nette Bedienung und das attraktive Warenangebot ist das Kiosk jetzt eine feste Einrichtung für das Picknick von Truckern, Pendlern und Pilgern geworden. Als gute und sparsame Geschäftsfrau will Nandawathi das Darlehn vorzeitig zurück zahlen. Sie wird dann einen neuen Kredit beantragen, um die alten Bretter auszutauschen, damit der Kiosk den starken Tropenregen auch in Zukunft stand hält. Unsere Partner vor Ort werden diesen Antrag sicher sehr wohlwollend prüfen. Plakate für VeranstaltungenEin Kleinstkredit kann immer nur eine Starthilfe sein. Was daraus wird, liegt an der Qualität der Geschäftsidee und an der persönlichen Leistung der Kreditnehmerinnen. Bei Nilu kam noch dazu, dass sie schon vor der Darlehnsvergabe einen gewissen wirtschaftlichen Erfolg hatte. Trotzdem kam sie nicht richtig voran. In ihrer Branche ist ein nennenswerter Gewinn nämlich nur dann zu erzielen, wenn zunächst möglichst viel investiert wird. Nilus Geschäft ist das Erstellen von Druckvorlagen und -platten für großformatige Werbeflächen oder Transparente. Die Auftraggeber dafür sind große Firmen oder Organisationen (Werbeagenturen, Sportveranstalter, politische Parteien). Der gesamte Produktionsvorgang besteht aus einer Reihe von Einzelarbeiten, die meistens auf mehrere Firmen verteilt sind. Leider erhielt Nilu immer nur kleine Aufträge für die Vorarbeiten. Dann war sie nicht mehr dabei, weil ihr die Hilfsmittel für die Weiterverarbeitung fehlten. Der Kleinstkredit ermöglichte nun den Kauf solcher Geräte. Nilu konnte dadurch ein höheres Einkommen erzielen und gleichzeitig ihr Tätigkeitsfeld erweitern. Sie bedruckt jetzt beispielsweise Krawatten und produziert kleine mehr oder weniger nützliche Dinge (Pokale, Souvenirs usw.). Insgesamt läuft das Geschäft so gut, dass sie bereits zwei Frauen als Hilfskräfte eingestellt hat. Wer so erfolgreich arbeitet, will natürlich nicht auf halbem Wege stehen bleiben. Nilu hat deshalb einen Masterplan im Kopf, wie sie in den nächsten Jahren den Betrieb ausbauen kann. Zunächst muss die Produktionsstätte so abgedichtet werden, dass die extreme Luftfeuchtigkeit während der Regenzeit keinen Schaden mehr anrichtet. Danach ist der Kauf von Maschinen geplant, um weitere Schritte auf dem Weg zum Endprodukt selbst auszuführen zu können. Eine Druckmaschine kostet etwa 1.500 € und für die Herstellung großer Transparente wären noch einmal 5.000 € zu investieren. Solche Beträge sind sicher keine Kleinstkredite mehr. Aber wir sind stolz darauf, dass es ein Kleinstkredit war, der an dieser Entwicklung einen wesentlichen Anteil hat. Nilu, wir wünschen dir auch in Zukunft so viel Erfolg und dazu das Quentchen Glück, dass immer mit dazu gehört. Eine Frau repariert FernsehgeräteIn Sri Lanka ist es schon etwas ganz besonders, wenn beide Ehepartner eine qualifizierte Berufsausbildung und ein regelmäßiges Einkommen haben. Auf Madura und ihren Mann traf das zu. Sie waren beide Lehrer und in standen in einem festen Arbeitsverhältnis. Nun haben junge Ehepaare oft noch das Ziel, eine richtige Familie zu werden. Das traf auch auf Madura und ihren Mann zu. Dabei war es für beide ganz wichtig, nicht nur Kinder zu bekommen, sondern diese auch selbst zu erziehen. Nach der Geburt der zweiten Tochter gab Madura daher ihren Job auf und blieb zu Hause. Natürlich riss das ein gewaltiges Loch in die Haushaltskasse und der Beruf Hausfrau ist für eine engagierte und hochqualifizierte Referentin für Elektronik nur bedingt das Ziel aller Wünsche. Der Königsweg wäre eine Tätigkeit in Heimarbeit. Mit ihren Kenntnissen und Fertigkeiten könnte Madura beispielsweise im eigenen Haus eine Werkstatt einrichten und dort Radio- und Fernsehgeräte reparieren. Leider fehlte dafür aber das Geld. Es war wohl das Glück des Tüchtigen, dass Freunde gerade jetzt davon hörten, dass der Sri Lanka Verein „Kleinstkredite für Kreative“ vergibt. Auch Madura erhielt einen solchen und kaufte für rund 100 € Werkzeuge und Messgeräte. Die Kunden kamen zunächst nur aus der Nachbarschaft und das leider sehr spärlich. Aber schon bald sprach sich herum, wie schnell, sorgfältig und zuverlässig alle Arbeiten ausgeführt wurden. Das hörten auch die Fachgeschäfte in Monaragalla und verwiesen bei Reparaturen nach und nach immer mehr ihrer Käufer an Madura. Wie positiv ihre Leistung heute bewertet wird, zeigt sich u.a. darin, dass die Auftraggeber das Bringen und Abholen der Geräte selbst organisieren, obwohl die Werkstatt nicht gerade verkehrsgünstig liegt. Madura prüft daher auch die Möglichkeit, näher an ihre Kunden heran zu kommen. Das wäre durch eine Verlagerung der Werkstatt ins Zentrum von Monaragalla möglich. Ein solcher Umzug würde aber mindestens 1.500 € kosten. Wenn Madura noch viele Geräte repariert und sparsam wirtschaftet wird dieser Traum vielleicht irgendwann einmal wahr. Weiterhin viel Glück und Erfolg, Madura. Kuscheltiere mal ohne Knopf im OhrAuf der ganzen Welt lieben Mädchen und Jungen die phantasievollen Figuren mit dem weichen Fell. Natürlich gilt das auch für Anushas Kinder. Trotzdem ist hier etwas anders. Der Weg von der Produktionsstätte bis zum Endverbraucher ist nämlich so kurz wie sonst nirgends. Anusha hat in einem 3-monatigen Kurs gelernt, wie Kuscheltiere hergestellt werden. Jetzt ist sie dabei, eine eigene Fabrikation in Heimarbeit aufzubauen. Die Probeexemplare sind bereits fertig und „arbeiten“ jetzt als Werbeträger. Viele Menschen aus der näheren Umgebung haben auch schon reges Kaufinteresse gezeigt und zwei Geschäfte wollen die hübschen Teddys gern auf Dauer in ihr Sortiment aufnehmen. Anushas Kuscheltiere sind dadurch praktisch schon ausverkauft, obwohl sie mit der Herstellung noch gar nicht richtig begonnen hat. Vor dem echten Produktionsbeginn müssen noch ein paar Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden. Wichtig ist vor allem der Kauf des richtigen Rohmaterials. Weil es das in der näheren Umgebung nicht in der erforderlichen Qualität gibt, muss es aus Colombo heran geschafft werden. Sicher werden unsere Partner vor Ort dafür den beantragten Kredit über rund 100 € bereit stellen. In einem späteren Schritt ist dann die Anschaffung einer kräftigeren Nähmaschine geplant. Das derzeit verfügbare altersschwache Modell kann bestimmte Arbeiten nicht unterstützen, so dass gerade bei den etwas größeren Tieren viel mit der Hand nach gearbeitet werden muss. Das ist nicht nur mühsam, sondern es kostet auch viel Zeit. Und die fehlt, wenn es darauf ankommt, alle Kundenwünsche zu erfüllen. Ach ja, eigentlich könnte Anusha selbst noch ein Kuscheltier gebrauchen. Auch wenn sie schon auf dem besten Weg zu einer größeren Familie ist, sagt dass nicht viel über das Lebensalter aus. Es liegt noch deutlich unter 18. Aber wegen der bitteren Armut wurde Anusha schon mit 14 Jahren verheiratet. Sie hat daher natürlich keine Berufsausbildung und wird wohl auch niemals einen akzeptablen Arbeitsplatz finden. Die selbständige Arbeit ist ihre einzige Chance. Kunst für die BlumenvaseBei unseren Besuchen haben wir viel Armut aber auch großen Optimismus gesehen. In vielen Fällen wurde die Lebensfreude durch Zukunftssorgen und -ängste überlagert. Wie schön, wenn es einmal nur Positives zu berichten gibt, wie zum Beispiel von Fathima. Sie gehörte zu den Kreditnehmerinnen der ersten Stunde und hatte die Idee, auf dem Markt von Monaragalla einen Stand mit künstlichen Blumen zu eröffnen. Der Kleinstkredit ermöglichte ihr den Kauf des Rohmaterials und die Anfertigung des ersten Sortiments. Das Warenangebot traf genau den Geschmack der Menschen, so dass das Geschäft schon vom ersten Tage an florierte. Schon kurze Zeit später kamen die ersten Aufträge von Firmen und bald schmückten die Blumen auch diverse Veranstaltungsorte. Das die Kasse wirklich oft genug klingelt, konnten wir selbst miterleben. Obwohl unser Gespräch nur kurz war, wurde es ein paar mal zur Bedienung von Kunden unterbrochen. Fathima hat den Kleinstkredit schon vor 6 Monaten vollständig und mit Zinsen zurück gezahlt. Auf die Frage nach ihren Wünschen und Zielen antwortete sie ohne Zögern, dass doch bitte alles so bleiben möge, wie es jetzt ist. Sie besitzt ein gut gehendes Geschäft. Das Einkommen reicht aus, um ihre Bedürfnisse und den einen oder anderen Extrawunsch zu erfüllen und die Arbeit ist gerade so bemessen, dass sie von ihr gut zu schaffen ist. Sollte es jemals Zweifel am Sinn oder Erfolg unseres Projektes „Kleinstkredite für Kreative“ geben, raten wir dringend zu einem Gespräch mit Fathima. Die Adresse geben wir gerne weiter. Gemüse für den KochtopfWenn für einen genug Arbeit da ist, schaffen das auch zwei. Dieser alte Kalauer fiel uns beim ersten Treffen mit Sudumenika spontan ein. Dabei stimmt das in diesem Fall überhaupt nicht. Vielmehr ist die tägliche Arbeit nicht einmal zu zweit zu schaffen. Das erste, was wir auf dem Markt von Monaragalla sahen, waren etwa 8 Personen, die in einer Reihe standen. Am anderen Ende dieser Schlange taten Sudumenika und ihr Sohn alles, um die Kunden in Rekordzeit zu bedienen. Es dauerte ein paar Minuten, bis die Pause für ein Gespräch ausreichte. Sudumenika erklärte uns dann, dass sie vor gut einem Jahr einen Kleinstkredit erhielt und damit ihr erstes Sortiment erworben hat. Da sie stets kompromisslos auf beste Ware achtet, konnte sie alles schnell weiter verkaufen. Der hohe Qualitätsstandard wurde ihr Markenzeichen. So gewann sie immer mehr Stammkunden und konnte auch ihr Einkommen ständig steigern. Die Rückzahlung des Kredites ist seit kurzem abgeschlossen. Jetzt plant sie, erneut ein Darlehn zu beantragen um das Geschäft weiter auszubauen. Ein größerer Stand und die Erweiterung des Warenangebotes sind ihre Ziele. Nach diesem kurzen Überblick mussten wir das Gespräch leider beenden. Die Schlange war schon wieder so lang, dass Sudumenikas dringend als Verkäuferin gebraucht wurde. Fußmatten für das EigenheimWas haben der Hauptmann von Köpenik und Watsala gemeinsam? Beide produzieren Fußmatten. Ob der Hauptmann im Berliner Gefängnis dafür etwas bekommen hat, ist nicht überliefert. Watsala jedenfalls erhält pro Stück 100 Rs (etwa 0, 60 €). Die Herstellung einer Matte dauert etwa 1,5 Stunden. Watsala ist sehr fleißig und produziert pro Tag 6 Stück. Viele Matten werden zu Hause, also direkt „ab Werk“ an Kunden aus der Nachbarschaft verkauft. Die Restposten finden auf Ausstellungen reißenden Absatz. Mit einer besseren Nähmaschine wäre eine deutliche Produktionssteigerung möglich. Der höhere Verdienst würde ihren beiden Söhnen eine bessere Schulbildung ermöglichen und vielleicht könnte sie dann eines Tages sogar umziehen, von ihrer illegal errichteten Behausung in ein richtiges Haus. Eigentlich benötigt Watsila einen etwas größeren Kredit, um sowohl die Nähmaschine als auch weiteres Rohmaterial zu kaufen. Das zusammen wäre dann aber mehr, als nach den Richtlinien für Kleinstkredite zugebilligt werden kann. Wir sind sicher, dass unsere Partner vor Ort auch hier die richtige Lösung finden werden. Snacks für die PartyIn Monaragalla leben Singhalesen und Tamilen auf engstem Raum zusammen. Die Singhalesin Shitti Farida und ihr tamilischer Ehemann sind dafür ein gutes Beispiel und das mit dem engsten Raum trifft auf sie auch in besonderer Weise zu. Sie wohnen mit ihren 3 Töchtern in einem Minihaus auf einem Gelände, das ihnen nicht gehört und das noch nicht einmal als Bauland zugelassen ist. Trotzdem müssen irgendwie das Geld zum leben und überleben verdienen. Sie schaffen das durch die Produktion und den Verkauf von Gebäck, was sich gut zum Knabbern vor dem Fernseher oder bei einer fröhlichen Party eignen würde. Shitti Farida produziert es zu Hause aus Reismehl. Dabei entstehen eine feurige und süße Variante. Die feurige erinnert optisch an geröstete Erdnüsse, geschmacklich an Reisgebäck, die süße hat die Form von Schoko-Crossies, ist aber auffallend farbenfroh gestaltet. Die fertigen Leckereien werden in Tüten zu je 100 Gramm verpackt. Shitti Faridas Mann verkauft diese für 30 Rs (0,18 €) auf dem Markt. Wenn der Weg dorthin von Hamburg aus gesehen nicht so weit wäre, würde ich meinen Gästen nur noch solche Knabbereien anbieten, um mich anschließend für meinen guten Geschmack loben zu lassen. Offensichtlich sehen die Menschen in Sri Lanka das genau so, denn die Produktion reicht nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Shitti Farida hat daher einen Kleinstkredit beantragt, um mehr Rohmaterial und einen größeren Kessel kaufen zu können. Gewürze für alleWenn sie jemand dorthin wünscht wo der Pfeffer wächst, sollten sie das Reiseangebot nicht ungeprüft zurück weisen. Vielleicht landen sie ja in Sri Lanka. Patma und ihre 4 Kinder leben jedenfalls schon immer hier und mit dem Pfeffer kennen sie sich bestens aus. Sie leben so gar vom Pfeffer - und natürlich auch von anderen Gewürzen. Patma erwirbt auf dem Markt das Rohmaterial und mahlt es zu einem feinen Pulver. In kleineren Mengen verkauft sie dieses auf dem Markt oder in etwas größeren Verpackungen direkt an Geschäfte oder Händler. In Sri Lanka kostet ein Kilo Gewürze übrigens etwa 150 Rs, also weniger als 1 €, - und in Deutschland? Als zweites Standbein hat Patma so etwas ähnliches wie „Essen auf Rädern“ aufgebaut. Sie liefert zum Mittagessen auf Bestellung einige selbst produzierte Speisen. Die Kostprobe schmeckten sensationell gut. Unser Betreuer Ranil kennt Patma schon seit mehr als 1 Jahr und er hat ihr vor gut 6 Monaten das Minidarlehn vermittelt. Nach seiner Einschätzung haben sich sowohl der Umfang der Geschäftstätigkeit als auch die Qualität der produzierten Waren so enorm verbessert, dass sich Patma jetzt neue Ziele setzen kann. Eines davon ist die Anschaffung einer Gewürzmühle, die sich für einen professionellen Einsatz eignet. Weil die Kosten dafür aber bei 500 € liegen, muss Patma sich wohl noch etwas gedulden. Rück- und AusblickDie ersten Kleinstkredite konnten im Jahre 2007 an Familien im Südosten von Sri Lanka vergeben werden. Der Erfolg war so überwältigend, dass bereits nach vier Wochen die für den Projektstart verfügbaren Gelder ausgezahlt waren. Auch die Rückzahlungsquote von fast 100 %. empfanden wir als sensationell hoch. Nach der Ausdehnung des Projektes auf den Raum Galle, betraten wir im Jahr 2008 in Monaragalle ein neues Territorium. Hier gibt es keinerlei Tourismus und die Bevölkerung ist ein buntes Gemisch aus Singhalsen, Tamilien, Buddhisten, Moslems, Hindus und Christen. Unser nächstes Ziel ist es, weiter im Norden, im Landesinneren und in den ehemaligen Bürgerkriegsgebieten tätig zu werden. Unsere Partnerorganisation bereitet zurzeit einen Start im Raum Batticaloa vor. Ob, wann und in welchem Umfang weitere Maßnahmen möglich sind, hängt von folgenden Faktoren ab:
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