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Messe in Galle 2011Der erste TagAm 20. März 2011 begann in der Distrikthauptstadt Galle im Süden Sri Lankas eine Messe der besonderen Art. 60 Kreditnehmerinnen aus dem Kleinstkrediteprogramm des Sri Lanka Vereins Hamburg stellten ihre Projekte vor und ihre Produkte aus. Um die Menschen von der Strasse ins Rathaus zu locken wurde, wie in Sri Lanka üblich, ganz auf die Kraft der Musik gesetzt. Die Musik war so kraftvoll, dass sie auch am nahegelegenen Bahnhof trotz Straßenlärm noch zu hören war. Wer Galle kennt, kann sich ungefähr vorstellen, dass man in der Nähe der Lautsprecher schon ganz ohne eigenes Zutun mit der Musik mitwippte. In einem Wandelgang an der Stirnseite des Rathauses finden sich die ersten Stände und führen den Besucher in den anschließenden großen Saal, in dem eine Vielzahl von Ventilatoren vergeblich versucht, die Wärme in einen kühlenden Luftzug zu verwandeln. Bereits am ersten Tag waren noch während der Aufbauphase die ersten Interessenten zu sehen, die sich von Stand zu Stand bewegten. Es wurden Süßigkeiten probiert, die Qualität von geklöppelter Spitze geprüft, kunstvolle Batiken bestaunt und mit den Händlerinnen über den besten Standort der ausgestellten Blumen und Obststräucher diskutiert. Alle Teilnehmerinnen dieser Messe haben bereits ihren Kredit zurückgezahlt oder sind noch im Kleinstkrediteprogramm aktiv. So steht „unsere“ erste Kreditnehmerin mit ihrer Pilzzucht unweit einer Produzentin von genähten Wandbildern, der erst vor wenigen Tagen der beantragte Kredit ausgezahlt worden ist. Je mehr Stände im Laufe des Tages aufgebaut werden, desto größer wird auch die Besucheranzahl. Es wurden sogar erste Touristen gesehen, die auf dem Markt auf Souvenirjagd gingen. Nebenbei nutzten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, Bekannte aus Weiterbildungsveranstaltungen unserer Partnerorganisation zu treffen und mit ihnen und den anderen Teilnehmerinnen über den Erfolg ihrer Projekte zu sprechen.
Der zweite TagDurch ein paar Terminschwierigkeiten lag die offizielle Eröffnung mit ihren Reden und Feierlichkeiten am zweiten Tag der Messe. Während der erste Tag vom Aufbauen und Herumschauen geprägt war, stand am zweiten Tag das Geschäftliche eindeutig im Vordergrund. Bereits vor der offiziellen Eröffnungsfeier wurde an allen Ständen gehandelt und zufriedene Kunden trugen ihre Einkäufe nach Hause, während die Mitarbeiter einer Veranstaltungsagentur damit beschäftigt waren, die Scheinwerfer aufzubauen, die die Gäste der Eröffnungsfeier ins rechte Licht rücken sollten. Kurz nach 11 Uhr war es denn so weit und die Messe wurde in Anwesenheit von Methsiri de Silva, dem Bürgermeister von Galle, eröffnet. Wie traditionell üblich bestand der erste Schritt zu einer erfolgreichen Veranstaltung im Entzünden einer Öllampe. Im Gegensatz zur allgemein verbreiteten Lampenversion aus Messing bestand diese Lampe aus lackierten Ästen mit Blüten aus lackierten Kokosnußschalen und war von einer Kleinstkreditnehmerin angefertigt worden. Nach Methsiri de Silva konnte Jan Hennings, der zweite Vorsitzende des Sri Lanka Vereins, die nächste Lampe entzünden. Die Kerze zum Entzünden der Lämpchen wurde von einem Ehrengast zum nächsten weitergereicht, bis alle Dochte brannten und die Flammen im Wind der Ventilatoren flackerten. Die anschließenden Reden betonten das Engagement der anwesenden Frauen, ihren Mut und ihren Willen, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Besonders anzumerken war, dass Methsiri de Silva die Veranstaltung trotz des anstehenden Wahlkampfes nicht als Plattform für eine politische Rede genutzt hat, sondern ganz individuell auf die Belange der Frauen in seiner Rede eingegangen ist. Er lobte sie insbesondere für ihr Können und die herausragende Qualität der ausgestellten Produkte. Die weiteren Redner waren die Vorsitzende einer Geschäftsfrauenorganisation, eine Teilnehmerin des Kleinstkrediteprogramms sowie ein paar Worte auf Singhalesisch von Jan Hennings. Nachdem die Ehrengäste mit Süßigkeiten und Getränken bewirtet worden waren, war die Veranstaltung offiziell eröffnet und es wurde munter weiter gehandelt. Während des Tages kamen immer neue Besucher auf die Messe, die nicht nur die Produkte erworben haben, sondern sich auch über die Hintergründe der Messe und der einzelnen Projekte informiert haben. So wurden nicht nur Kleidung und Schuhe verkauft, sondern auch über die Besonderheiten der Pilzzucht diskutiert. In der Mittagspause kamen die Angestellten aus den umliegenden Bürogebäuden, um sich die Veranstaltung anzuschauen, die sie bis dahin seit fast zwei Tagen mit singhalesischer Musik beschallt hatte. Die Musikstücke wechselten sich mit immer wieder mit kurzen Ansagen ab. Die Veranstaltungsagentur hatte extra eine Sprecherin für die Messe organisiert, die über die auch an der Strasse platzierten Lautsprecher vorbeigehende Passanten auf die Messe aufmerksam gemacht hat. Zusätzlich betonte sie immer wieder die Besonderheit der Ausstellung und die hier vorgestellten Projekte, die es Frauen aus schwierigen Lebensumständen ermöglich haben, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen und den Lebensunterhalt für ihre Familien zumindest mit zu bestreiten. Der dritte TagMit dem dritten Tag hat die Messe in Galle ihren krönenden Abschluss gefunden. Die Teilnehmerinnen äußerten sich überaus zufrieden über die Veranstaltung. Viele gaben an, gute Umsätze gemacht zu haben und haben die drei Tage zu einem intensiven Erfahrungsaustausch mit den weiteren Teilnehmerinnen genutzt. Einige hatten extra ihre Männer mitgebracht, damit sie die Chance hatten, sich auch selbst in Ruhe ein Bild von den anderen Projekten zu machen, während ihre Männer die Waren verkauften. War kein Verwandter zur Stelle, sprangen die Standnachbarinnen sofort ein und verkauften auch am Nebenstand mit der gleichen Energie wie an ihrem eigenen Projekt. Von Konkurrenz war trotz ab und zu ähnlicher Produktpalette nichts zu spüren. Die gesamte Veranstaltung war äußerst professionell organisiert worden. Dafür sei an dieser Stelle den Organisatoren, allen voran Mr Opatha, ganz herzlich gedankt. Innerhalb von zwei Monaten haben sie eine Messe auf die Beine gestellt, die in mehrfacher Hinsicht einen großen Schub für die Teilnehmerinnen bedeutet hat. Der finanzielle Aspekt des während der drei Tage erzielten Umsatzes war für viele Ausstellerinnen nicht zu verachten, die ansonsten häufig von einem Wochenmarkt zum nächsten ziehen. Hinzu kam die Möglichkeit von anderen zu lernen und sich Anregungen für das eigene Projekt zu holen. Über allem stand aber die Anerkennung für ihre Leistung, die sowohl explizit durch den Bürgermeister in seiner Eröffnungsrede angesprochen wurde, als auch durch die vielen zufriedenen Besucher/Käufer ausgedrückt wurde. Die Veranstalter selbst waren vom Erfolg so begeistert, dass bereits vor Ende feststand, dass es eine weitere Publikumsmesse dieser Art geben wird. Die Verabschiedung von den Teilnehmerinnen fiel Jan Hennings nach drei Tagen ausgesprochen schwer. Die Damen hatten sich so ausgiebig mit Tee, Süßigkeiten und Obst um ihn gekümmert, das mehrere Mahlzeiten ausfallen mussten. Hoffentlich finden alle die gekauften Produkte in seinem Koffern Platz, so dass sich die Besucher der Jahreshauptversammlung am 30. März 2011 einen eigenen Eindruck von den hergestellten Produkten verschaffen können. |
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